Neurodermitis ist die häufigste chronische Hauterkrankung in Deutschland mit steigender Tendenz. Man geht davon aus, dass ca. 10 % aller Deutschen (d. h. ca. 8 Millionen) von der Krankheit betroffen sind, insbesondere Kinder. Die charakteristischen Symptome sind trockene, raue Haut, Rötungen und Entzündungen, die typischerweise an Arm- und Beinbeugen, Handgelenken sowie am Hals und im Gesicht auftreten können und häufig von quälendem Juckreiz begleitet werden. Schon 15 % der 7jährigen Schulkinder leiden unter Neurodermitis.
Symptome und Phasen der Neurodermitis
Ursache der Neurodermitis (auch atopisches Ekzem) ist eine erblich bedingte Stoffwechselstörung, die bei einer Vielzahl der Betroffenen in der Haut zu einem Mangel an Omega-6-Fettsäuren (Linol- und Gammalinolensäure) führt. Die hauteigenen Schutzfunktionen sind dadurch stark beeinträchtigt: Weil eine erhöhte Besiedelung mit Staphyloccocus aureus die Hautflora aus der Balance bringt, können Keime und Allergene leichter eindringen, und der Wasserverlust über die Haut (TEWL) steigt an. Entzündete, gerötete und trockene, juckende, schuppige Haut sind die Folge. Symptome und Erscheinungsbild der Neurodermitis können individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und in wiederkehrenden Schüben ausbrechen. Sie werden durch individuelle Faktoren ausgelöst, zum Beispiel durch Stress-Situationen, klimatische Veränderungen, Nahrungsmittel oder häufiges Waschen oder Duschen, raue Kleidung oder Aeroallergene (z.B. Pollen oder Schimmelpilzsporen). Zwischen den Schüben können auch lange Phasen liegen, in denen die Haut erscheinungsfrei ist und geschmeidig und gesund aussieht.
Experten-Tipp
Prof. Dr. Regina Fölster-Holst Oberärztin, Universitätshautklinik Kiel
Neben dem Vermeiden der Provokationsfaktoren (Irritanzien, Allergene, Infektionserreger, ungünstige Klimabedingungen, negative Stressfaktoren) gehört die regelmäßige Hautpflege zur Basisbehandlung der Neurodermitis. Sie repariert die gestörte Hautbarriere und erschwert Irritantien, Infektionserregern und Allergenen den Eintritt in die Haut. Eine regelmäßige Basispflege ist ein Muss und kann erneuten Neurodermitisschüben vorbeugen.
Wichtig bei Neurodermitis:
Meiden von Irritanzien (z.B. Wasser, Seifen, Reinigungsmittel)
regelmäßige Hautpflege
nicht zu warm duschen/baden
nach Bad/Dusche nur leicht trockentupfen, anschließend eincremen
nach körperlicher Anstrengung Schweiß durch Duschen entfernen, dann eincremen
Fingernägel kurz halten
in der Pollenzeit vor dem Schlafengehen Haare waschen und nicht im Schlafzimmer entkleiden
Hausstaubmilbensanierung einschließlich Encasing (allergiedichter Bezug für die Matratze)
zwei- bis dreimal täglich für 10 min lüften (Stoßlüftung)
keine dicken Teppiche
keine Pflanzen im Schlafzimmer
keine Kleidung aus Wolle oder Synthetik (z.B. Nylon, Polyester)
Pflegeschilder aus neuen T-Shirts, Pullis etc. schneiden, vor allem im Nacken
bei nachgewiesenen Allergien/Unverträglichkeiten entsprechende Nahrungsmittel meiden